Meine Erfahrungen mit 99Designs

Meine Invisalign-Behandlung – Tag 0 (Update)
5. Oktober 2021

Ich brauchte vor kurzem mal wieder ein Logo und da ich nicht gerade eine „Leuchte“ bin, was Grafikdesign angeht, dachte ich mir, ich teste 99Designs mal aus. Das folgende ist mein Erfahrungsbericht und ich erhalte von niemandem Geld für diesen.

99Designs ist eine Plattform, auf der man Ausschreibungen (s.g. Wettbewerbe) starten kann. Das Ziel muss nicht unbedingt Logos sein, das könnten auch Websites sein. Die Designer kommen aus aller Welt, haben dort auch Profile, die man sich ansehen kann mit vorausgegangenen Arbeiten, Erfolg bei Wettbewerben usw.

99Designs ist meines Wissens nach Marktführer in seinem Bereich uns sitzt in San Francisco, USA. Vistaprint scheint in Deutschland der Partner zu sein, aber das recherchierst du am besten alles selber, falls es dich genau interessiert. 😉 Auf jeden Fall bietet diese Plattform auch Möglichkeiten, dass man sein Geld zurückbekommt, falls einem kein Design zusagt. Das hat mich ehrlich gesagt „angelockt“, auch wenn ich mich später dagegen entschieden habe.

Der Wettbewerb – Setup

Zur Auswahl gibt es verschiedene Volumen an „Preisgeldern“, welche entsprechend verschiedene Designergruppen anlocken sollen und die Anzahl der zu erwartenden Designs beeinflusst. Ein Grafikpaket mit Logo und Visitenkarte und noch etwas mehr, wird dort schon ab 549€ aktuell angeboten. Das Geld muss immer vorab bezahlt werden. Ich hatte mich für einen „mittleren“ Preis mit 800€ entschieden, um auch „bessere“ Designer anzulocken. Es gitb das Einstiegslevel, Medium Level und Top Level Designer. Zu dem Design-Paket gehören die folgenden Sachen:

  • Logo
  • Visitenkarte
  • Briefumschlag
  • Facebook-Banner
  • Briefkopf

Im Verlauf der Konfiguration kann man verschiedene sinnvolle Einstellungen für sein Briefing treffen, so habe ich mich z.B. dafür entschieden, dass

  • ich mich verpflichte, auf jeden Fall einen Gewinner zu wählen
  • und dass der Wettbewerb privat ist (NDA für Designer)
  • und dass der Wettbewerb gefeaturt wird

Einige dieser Einstellungen sorgen für einen Aufpreis. Ich dachte mir, dass ein solches Comittment, auf jeden Fall einen Gewinner auszuwählen, die Motivation stärker fördert, als einfach mehr Geld zu bieten, dass man dann einfach doch nicht vergibt. Ich könnte mir gut vorstellen, dass Designer ihre Projekte eher nach solchen Comittments aussuchen, anstatt nur nach Summe.

Im Verlauf des Briefings gibt es dann richtig coole Einstellungen. Neben den „normalen“ Angaben wie Titel, Slogan, Beschreibung des Geschäfts, kann man auch aus Farbpaletten auswählen, die die Designer verwenden sollen, dort auch weitere Angaben formulieren und verschiedene Regler für verschiedene Eigenschaften des Logos auswählen. 99Designs gibt hier verschiedene Angaben zu den Farben, wofür sie stehen und sogar eine Statistik für die ausgewählte Branche in Bezug auf die Verteilung der Farbwahl. Es gibt sogar eine Art „Farbgenerator“ aus Basis Deiner Auswahl.

Im Briefing kannst du unteranderem folgende Eigenschaften für den Stil belegen:

  • Klassisch oder Modern
  • Erwachsen oder Jugendlich
  • Verspielt oder Anspruchsvoll
  • Abstrakt oder Konkret
  • und noch ein paar mehr

Gar nicht mal so einfach zu beantworten, um eine möglichst klare Stilrichtung für den Designer vorzugeben.

Der Wettbewerb wird in verschiedene Phasen unterteilt, die sich auch verlängern lassen. So ist die erste Phase die Entwurfsphase, während man seine bis maximal 6 Favoriten für die Finalrunde wählen kann. Ich glaube das waren 5 Tage. In der Zeit kann man den Designern Feedback geben, neue Entwürfe erhalten usw. Ich hatte teilweise Designer, die mir 20-30 Entwürfe gesendet haben, teils mit nur geringen Änderungen, je nach Anfrage.

Los geht´s

Für meine knappen 900€ Budget (inkl. privater Wettbewerb, Comittment zur Auswahl und Feature) schätzte 99Designs vorab, dass ich etwa 40-60 Designvorschläge erhalten werde und auch Medium Level Designer anbieten würden. Nach 5 Tagen hatte ich unfassbare 200 Designentwürfe!

Das ist natürlich auch etwas Arbeit die alle durchzugehen, abzulehnen, anzupassen usw. Letzten endlich habe ich dann 6 Designer mit in das Finale genommen. Die Entwürfe waren sehr weitreichend: von total daneben, bis viel zu einfach, zu kompliziert, aber viele waren tatsächlich gut und brauchbar und gingen in sehr unterschiedliche Richtungen.

Ich merkte relativ schnell, dass die Angaben im Briefing die Entwürfe schnell beeinflussen. Man muss hier aufpassen, wie man die Designer steuert, damit diese sich nicht zu stark auf ein Thema einschießen, anstatt ihr Kreativität besser zu nutzen.

In der Finalrunde wählte ist dann innerhalb von 3 Tagen nach weiteren Verfeinerungen und weiterer Entwürfe (nur noch der Finalisten) meinen Gewinner aus und bedankte mich bei den Anderen für ihre Zeit. Man kann mit den Designern im Entwurfsbereich des jeweiligen Entwurfs kommunizieren, damit dieser auch weiß, um welches Design es sich handelt.

Interessanterweise ist mein Gewinner aus dem Einstiegslevel. Für höhere Preisgelder gab 99Designs an, dass sich auch Top Level Designer bewerben würden, das ist in der Tat in meinem Wettbewerb auch nicht passiert, aber ich dachte irgendwie, dass ein Medium Level Designer das Rennen machen würde. Tatsächlich hat das Level auch weniger mit den Fähigkeiten zu tun, als mehr mit der Aktion auf der Plattform des Designers. Ein guter neuer Designer, wird, so glaube ich, immer erstmal im Einstiegslevel „hängen“.

Zurück zum Wettbewerbsverlauf: theoretisch könnte man nun auch noch eine 2-wöchige Umfrage mit bis zu 8 Designs starten, an seine Bekannte oder Mitarbeiter versenden und diese mitabstimmen lassen, bevor man den Gewinner wählt – darauf habe ich jedoch verzichtet.

Anschließend hat der Gewinner 5 Tage Zeit alle Designs fertigzustellen und hochzuladen, i.d. entsprechenden Quelldateien. Es ist wichtig seine Favoriten während des Wettbewerbs zu fragen, dass sie einem die Dateien vektorisiert und entsprechend als .AI oder .EPS zur Verfügung stellen. Ferner sollte der Gewinner dir mitteilen, welche Schrift(en) er verwendet hat und wo man diese lizensieren kann. Auch aufpassen, dass nicht blind Beispielbilder übernommen werden, die auch noch ggf. lizensiert werden müssen. Die Lizenzen für die beiden Schriftarten bei meiner Schrift lagen insgesamt bei etwa 60€ (nur Desktoplizenz, keine Webfont). Das Beispielbild war wohl lizenzfrei, ich werde es daher auch nicht verwenden, und meine eigenen Bilder nutzen, die ich selber lizensiere, z.B. bei Adobe Stock o.ä.

Letzen Endes habe ich 286 Designs erhalten, woraus ich schließlich mein Gewinnerdesign gewählt habe, von einer Designerin aus Südamerika. Was man doch für Ressourcen hat, wenn man etwas Geld im Internet anbietet, ich war sehr überrascht über die rege Teilnahme. Vlt. war es auch das Thema, was die Designer angesprochen hat, auf jeden Fall habe ich ein sehr cooles und sauberes Design erhalten.

Meine Designerin hat die nötigen Dateien bereits etwa 6 Stunden nach Auswahl fertiggestellt und hochgeladen. Bevor man die Dateien herunterladen kann, muss man noch den Abnahmevertrag digital „unterzeichnen“, ebenso der Designer, worin geregelt ist, dass einem die Urheberrechte am Design übertragen werden usw. Diesen kann man natürlich im Anschluss auch herunterladen.

Fazit

Ich muss sagen, dass die Nutzung von 99Designs bisher eine sehr coole Sache war. Ich habe innerhalb von 1 Woche 286 Designs erhalten, mein finales Design ausgewählt, alle Quelldateien erhalten und Informationen bekommen, die ich brauchte und nun einen neuen Businesskontakt, dem ich theoretisch nun weitere Aufträge zuspielen kann. Das kann man übrigens direkt in s.g. 1 zu 1 Arbeit auf 99Designs machen, oder eben direkt mit dem Designer, aber die Plattform nimmt einem ein gewisses Risiko, denn sie stellt einem nicht nur den Beleg für die Kosten aus, sondern regelt auch die Zahlung, denn die wird erst freigegeben, nachdem man die Dateien abgenommen hat.

Einen faden Beigeschmack hat leider irgendwie die Tatsache, dass so viele Talente leer ausgesehen. Ferner weiß man natürlich nicht genau, ob das Design nicht irgendwo „abgekupfert“ wurde. Es gibt zwar eine Haftungsfreistellung, aber was nützt die einem, wenn der Kontakt juristisch gar nicht zu greifen ist? Aber dasselbe kann einem natürlich auch mit einem Designer hier passieren. Meine Designerin hat mir auf Nachfrage noch ein paar Skizzen von ihr gesendet, und mir versichert, dass das Logo nur von ihr erstellt wurde. Ein gewisses Vertrauen muss man in so einem Wettbewerb mitbringen, sonst funktioniert es am Ende nicht.